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Deutsch oder Denglisch?

Wenn Oma das Wort Influencer hört, ruft sie den Arzt: ein verzeihliches Missverständnis in der Grippezeit. Aber sollten wir uns generell fürchten vor der „Invasion“ englischer Begriffe? Wenn du mich fragst, nein.
Erstens ist Angelsächsisch ein Ableger des Deutschen und nicht andersrum. Zweitens erweitern alle lebendigen Sprachen laufend ihr Repertoire. Drittens empfinden wir englische Leihgaben wie Lift, Park, Picknick, Pudding, Quiz, Rekord, Reporter, Sport, Streik, Test und Trick längst als heimisch. Ihren Migrationshintergrund haben wir vergessen.
Viele Import-Wörter sind Gold wert: Wo wären wir ohne Job, ohne Team, ohne Know-how, ohne Fairness? Auch für surfen und streamen fehlen uns griffige Alternativen. Wir müssten sie erst erfinden, aber wozu? Umgekehrt borgen wir den Briten und Amis ja auch viele deutsche Wörter.
Nicht alle Anglizismen sind böse.
Nur übertreiben wollen wir es nicht. Liegt das Level um so vieles höher als die Ebene? Bringen Investments wirklich mehr als Investitionen? Verbrühen wir uns am Kaffee to go nicht in mehrerlei Hinsicht die Zunge?
Kaffee zum Wegtragen
Foto von SeSchu | Lizenz Creative Commons
Wer alles verenglischt, macht sich verdächtig: Kann der Schreiber überhaupt noch Deutsch? Der Verdacht vertieft sich, wenn Autoren und Journalisten ohne Sprachgefühl ganze englische Phrasen wörtlich übersetzen, statt sie sinngemäß zu übertragen. Das Ergebnis ist „Denglisch“ – und wir sollten es meiden wie der Teufel das Weihwasser und Putin den Big Mac.
Lege nicht alle Eier in einen Korb ist die automatische Google-Übersetzung der englischen Floskel don’t put all your eggs in one basket. Den Korb bekommt jedoch der Autor, der besser auf Deutsch gewarnt hätte:
Setz nicht alles auf eine Karte
Denglisch 01
Aus einem Maulwurfshügel einen Berg machen ist ein sicheres Zeichen, dass ein eiliger Schreiber aus einer englischen Vorlage klaut und übersieht, dass making a mountain out of a mole hill bei uns heißt:
Aus einer Mücke einen Elefanten machen
Denglisch 02
Blind wie eine Fledermaus liest man immer häufiger, unscharf abgekupfert vom englischen as blind as a bat. Abgesehen davon, dass Fledermäuse prima sehen können, heißt die Phrase im Deutschen:
Blind wie ein Maulwurf
Denglisch 03
Wasser unter der Brücke klingt im Deutschen immer gleich nach Nebel, Nacht und Selbstmord. Dabei bedeutet die englische Redewendung water under the bridge doch bloß:
Schnee von gestern
Denglisch 04
Ein rollender Stein setzt kein Moos an. Wie bitte? Ach so: A rolling stone gathers no moss hat der Schreiber wohl im Internet aufgeschnappt und dabei vergessen, wie man den Zeigefinger mahnend auf Deutsch hebt:
Wer rastet, der rostet
Denglisch 05
Ein goldener Schlüssel öffnet jede Tür klingt geradezu märchenhaft, während für englische Ohren a golden key can open any door schlicht bedeutet:
Geld regiert die Welt
Denglisch 06
Die bittere Pille schlucken ist die deutsche Nicht-Übersetzung der englischen Redewendung swallowing the bitter pill. Viel süßer klingt:
In den sauren Apfel beißen
Denglisch 07
Äpfel mit Orangen vergleichen wir am deutschen Wortmarkt besser nicht und ersetzen die englische Metapher comparing apples and oranges durch:
Äpfel mit Birnen vergleichen
Denglisch 08
Nicht alles, was glitzert, ist Gold ist die wörtliche Übersetzung des englischen Sprichworts all that glitters is not gold. Die Deutsch-Jury urteilt zu Recht:
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Denglisch 09

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Der schreckliche Lektor Hannibal ist auf Beutezug. Seine Opfer: Textvermurkser, Deutschverhunzer und Sprachverbieger. Ein köstliches Mahl.

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